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Freitag, 08.04.2005

Futura Bold 3.0


Statt Musik gabs gestern Abend Literatur bei der 3. Futura Bold in Spreeblick Johnnys Arbeitsraum. Die Dons, Alphonso und Dahlmann, traten gegen einander an, in Begleitung dreier reizender Damen: Wortschnittchen, Frau Modeste und Chile.

Das Bier war auch hier wieder äußerst erfrischend gekühlt, das Publikum unterlag einem anderen Dresscode als dem, den man von den Musikveranstaltungen gewohnt ist. Alles wirkte förmlicher, gediegener, aber nicht weniger lebendig. Gerade aber die, deretwegen etwa 40 Gäste erschienen waren, die lesenden Blogautorinnen und -autoren, waren vorzüglich in aparte Kleider beziehungsweise Anzüge geschmiegt. So entstand eine sehr feinsinnige Salonatmosphäre, die man von Berliner Lesebühnen nicht kennt, und die zugleich signalisierte, dass anderes geboten würde.

Dieses Andere war nichts weiter als hervorragende Webloglektüre, die die einzelnen Autoren jeweils kongenial vortrugen. Die Herren geleiteten ein aufmerksames und neugieriges Auditorium durch den Abend, in dem die Sache mit dem Sex, Beziehungen, Händchenhalten und allem aus unterschiedlichsten Blickwinkeln, sehr feinsinnig zum Vortrag kam.

Den Reigen eröffnete Don Dahlmann mit seiner Geschichte vom Ersten Mal, die messerscharf die Tücke des Weibes offen legte und jedem pubertierenden Pennäler als warnende Bettlektüre ausgehändigt werden sollte. Es folgte Don Alphonso, der ? als erfahrener New Economy Insider ? die versäumten Freuden des Tabledances für den ISP eines Jungunternehmens darzustellen wusste. Dann begann die Damenrunde, die sich schon optisch derart hinreißend ins Szene zu setzen verstand, dass man meinte, sich um Inhalte keine Sorgen mehr machen zu müssen. Doch falsch: Das Wortschnittchen berauschte nicht nur mit ihrem sinnliche seidigen Kleid und den güldenen Schühchen, sondern zog mit dem Timbre ihrer Stimme und der Form des Vortrags die Herrenriege mit dem Thema Samenschleuder (schlucken oder spucken) und die Frage des guten Geschmacks, den Bier und Kaffee jedenfalls nicht fördern, in einer Taumel der Hörigkeit.

Noch ehe sich das Auditorium nach diesem denkwürdigen Vortrag durch wildes Klatschen von den Anspannungen befreit hatte, zog Frau Modeste, in eng geschnittenem, blitzenden Silberkleid, noch gnadenlosere Register, und lenkte den Fokus auf die Hörigkeit des Einzelnen, des Rechtsanwalt Stefan aus der Sophienstraße, der einer tief religiösen Schönheit verfällt und den Glauben wieder gewann. Dabei (und bei weiteren Geschichten) stand ihrer Stimme eine solch atemberaubende Lazivität zu Gebote, dass der ein oder andere Hörer nächtens kein Auge mehr wird zudrücken können, ohne in den Sog der Modesteschen Stimmverheißung zu geraten.

Doch wer nun dachte, hier sei man an einem Punkt, da gehe es nicht weiter hinaus, hatte nicht wirklich mit Chile gerechnet, die, in einem tief weinroten, ja auberginenen Kleid mit passender Stola, die ihre runden elfenbeinernen Schultern zärtlich bedeckte, in betörender Unschuld ihre Abenteuer mit der Lederhose in New York in einem Fetischclub zu inszenieren wusste.

Und das war nur die erste Runde. Zahlreiche Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit der einen Sache folgten in fliegendem Wechsel und unterbrochen von einer kurzen Pause. Zuletzt trug Don Dahlmann gekonnt sein Bewerbungsschreiben für das Amt des Papstes vor, in dem er dem Vatikan eine rosige Zukunft ausmahlte, geprägt von stattlicher Finanzstärke, die durch ein gewieft errungenes Kondommonopol ins Werk gesetzt werden kann.

Wir wünschen und hoffen, dies war nicht die letzte Lesung der Dons.

Kommentare

Danke für den bericht - da kommt sicher noch was nach :-)

Da freu ich mich schon drauf.

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